Auswirkungen des anthropogenen Treibhauseffekts
Neben dem natürlichen Treibhauseffekt, der schon immer auf der Erde wirkte und durch den ein Leben auf der Erde erst möglich ist, gibt es noch den künstlichen, vom Menschen geschaffenen (anthropogenen) Treibhauseffekt. Dieser zusätzliche Effekt bewirkt die globale Erwärmung und den Klimawandel. Aus dem Klimawandel ergeben sich zum Teil massive Probleme für die Lebewesen auf der Erde, die ich im Folgenden erläutern möchte.
Abschmelzen der Gletscher und Trinkwasserversorgung
Durch die globale Erwärmung wird es langfristig zum stärkeren Abschmelzen der Gletscher kommen. Einzelne kleinere Gletscher werden bei gleich bleibender Klimaveränderung verschwinden. Eine direkte, wenn auch nicht lebensbedrohende Folge, ist die Erhöhung der Schneegrenze. Insbesondere in den Alpen werden einzelne Skigebiete nur durch Kunstschnee zu erhalten sein, den Tourismus wird dies vor arge Probleme stellen.1 Das Abschmelzen der Gletscher führt aber auch zu lebensbedrohenden, die gesamte Menschheit umfassenden Problemen: Kurzfristig wird eine starke Erhöhung des Gletscherabflusses zu Flutkatastrophen führen, da die Gletscherseen die plötzlich auftretenden Wassermassen nicht mehr aufnehmen können oder die Begrenzungen dem Druck des Wassers nicht standhalten.1 Langfristig gesehen bricht die Trinkwasserversorgung der Gebiete zusammen, die auf das Süßwasserreservoir der Gletscher angewiesen sind (z.B. Alpenregion, Himalaja, Kilimandscharo). Viele große Flüsse sowohl in Europa (Rhein und Rhône) als auch in Asien (Ganges, Indus, Mekong) entspringen in den Eismassen der Gletscher. Fallen diese als Quellen weg, werden die Flüsse weit weniger Wasser führen. Drei Viertel der weltweiten Trinkwasserreserven sind in Gletschern gespeichert. Das Wasserproblem wird sich also nicht nur auf die Gletscherregionen begrenzen. Außerdem wird durch den Wassermangel die Landwirtschaft betroffen sein, niedrigere Ernten sind zu erwarten.2
Was ein solches Wasserproblem noch alles auslösen kann, sieht man an dem bis heute einzigen sogenannten Klimakrieg in der Darfur-Region. Nomaden und Bauern lebten hier friedlich nebeneinander, solange genug Wasser zum Trinken und zum Bewässern der Äcker vorhanden war. Der regionale Klimawandel führte aber zu einer lang anhaltenden Dürre Mitte der achtziger Jahre. Die Nomaden, die ohnehin nicht in einem von der Natur verwöhnten Gebiet lebten, begannen in ihrer Not die Bauern anzugreifen. Daraus entstand ein Konflikt mit bis heute zwei Millionen Vertriebenen und 400.000 Toten. Der Klimawandel trägt sicherlich nicht die alleinige Schuld für diese Tragödie, aber die Wasserknappheit ist ein Auslöser dafür.2
Aber nicht nur die Trinkwasserversorgung ist in Gefahr: Das Austrocknen der Flüsse führt noch zu weiteren Problemen: Viele Kraftwerke können nicht mehr mit Kühlwasser versorgt werden, die Stromproduktion wird also eingeschränkt sein. Die Binnenschifffahrt mit niedrigen Wasserständen zu kämpfen haben, dies führt zu Problemen im Transportwesen.
Zu den zu erwartenden kurzfristigen Flutkatastrophen und Gefahren für Trinkwasser- und Energieversorgung gesellt sich noch eine weitreichende Folge, die aus dem Abschmelzen der Gletscher und den polaren Eisschilden (dem Eis der Antarktis und des Festlands in der Arktis) folgt. Das abfließende Wasser wird in die Ozeane fließen und den Meeresspiegel erhöhen.
Erhöhung des Meeresspiegels
Der höhere Meeresspiegel ist nicht nur durch das abfließende Gletscherwasser bedingt. Eine direkte Wirkung des Treibhauseffekts trägt ebenso einen Teil bei: Das Wasser der Meere dehnt sich bei Erwärmung aus.3
Bis zum Jahr 2100 wird mit einem durchschnittlichen Meeresspiegelanstieg von 0,18 -0,59m gerechnet. Dieser Meeresspiegelanstieg verteilt sich dabei nicht gleichmäßig auf alle Ozeane und Nebenmeere. Strömungen (Golfstrom etc.) und die Erdumdrehung lassen das Wasser in einzelnen Meeresbecken in unterschiedlicher Höhe ansteigen. Regionale Extrema, die weit über einem Meter liegen, lassen sich also vorhersagen.
Durch den Anstieg des Meeresspiegels werden zum Einen viele kleine Inseln an den Rand ihrer Existenz gedrängt (beispielsweise Tuvalu im Südpazifik, Halligen in der Nordsee), da sie ohne Schutzmaßnahmen einfach überflutet werden. Zum Anderen werden sich schwerwiegendere Sturmfluten in den Küstenregionen häufen, da der Ausgangspegel um einiges höher liegen wird. Küstenstädte wie New York oder London sind ebenso bedroht wie Regionen wie die norddeutsche Tiefebene oder Bangladesh. In der letztgenannten wirken sich solche Sturmfluten wahrscheinlich am stärksten aus, da hier wegen fehlender Geldmittel nicht ausreichend Schutz errichtet werden kann und schwerwiegende, weit ins Land reichende Überschwemmungen nicht verhindert werden können.2
Überschwemmungen
Der Klimawandel löst Überschwemmungen nicht nur durch den Anstieg des Meeresspiegels aus: Durch die Erderwärmung wird mehr Wasser verdunstet, der höhere Wasserdampfgehalt führt zu höheren Niederschlagsmengen. Dieser zusätzliche Niederschlag ist nicht unbedingt gleichmäßig verteilt, sondern fällt in konzentrierten Mengen auf die Erde herab. Die Folge sind nicht größere Trinkwasserreserven, sondern schwere Überschwemmungen, weil Flüsse und Erde die plötzlich abfallenden Wassermassen nicht aufnehmen können. Versiegelungen des Bodens und Begradigungen natürlicher Flussverläufe kommen Überschwemmungen entgegen: Die natürlichen Aufnahmesenken der Natur werden vernichtet. Die fortwährende Ansiedlung von Menschen in küstennahen und überschwemmungsgefährdeten Regionen führt zu größeren Schäden bei einer Überschwemmung.
Stürme
Auswirkungen auf tropische Stürme
Starke Hurrikane, wie z.B. der Hurrikan Katrina 2005, werden in Zukunft wohl nicht öfter, aber in sehr viel stärkerer Form auftreten. Die treibende Kraft für einen Hurrikan ist die Wärme der Meeresoberfläche. Warme feuchte Luft an der Meeresoberfläche wird vom Hurrikan nach oben gezogen. Durch die Kondensation dieser Feuchtigkeit bezieht der Wirbelsturm seine Energie.4 Diese warme Luft steht durch den Klimawandel in größeren Mengen zur Verfügung, als dies früher noch der Fall war. Der Hurrikan gewinnt also an zerstörerischer Kraft hinzu.
Die Kraft des Hurrikans lässt erst nach, wenn er die Küste erreicht. Hier fehlt die feuchte Meeresluft, Kondensation tritt nur noch in schwächerer Form auf.
Auch diesen Aspekt beeinflusst der Treibhauseffekt: Durch den oben beschriebenen Anstieg des Meeresspiegels verdrängen die Wassermassen immer mehr Land in den Küstengebieten. Der Hurrikan hat mehr Raum, um Energie zu gewinnen und weniger Raum, um diese Energie zu verlieren.
Auswirkungen auf nicht-tropische Stürme
Sehr komplex ist die Situation bei den nicht tropischen Stürmen. Sie sind lebenswichtig, weil sie den mittleren Breitengraden Niederschläge bringen. Die Bahnen dieser Winde werden von einer Vielzahl von Parametern bestimmt, unter anderem der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgrad. Der Klimawandel führt zur regionalen Veränderung dieser Parameter. Es ist ersichtlich, dass die Bahnen der Winde verschoben werden. Bisherige Modelle zur Prognose der Veränderung dieser Bahnen kommen auf Grund der Komplexität zu verschiedenen Ergebnissen. Eins ist aber allen Voraussagen gemein. Die Wege der Winde werden zu den Polen hin verschoben. Der Süden Australiens, Teile Nordamerikas und Südeuropas werden weniger lebenswichtigen Niederschlag erhalten.2
Hitzewellen und Waldbrände
Um das Problem der wachsenden Gefahr der Hitzewellen zu erläutern, bedarf es einer Unterscheidung der Begriffe Wetter und Klima. Das Wetter beeinflusst die kurzfristige Temperaturänderung, die von Jahr zu Jahr variieren kann. Von einem Jahr aufs andere kann die Durchschnittstemperatur stark schwanken, dies ist aber nicht unbedingt ein Indiz für den Klimawandel. Das Klima beeinflusst nämlich den langfristigen Temperaturverlauf über viele Jahre hinweg. Es ist der Durchschnitt der Wetterschwankungen.
Von diesem Mittelwert gehen die wetterbedingten Temperaturschwankungen aus. Dieser Mittelwert steigt durch den Klimawandel kontinuierlich an. Ein ungewöhnlicher wetterbedingter positiver Ausschlag hatte vor 100 Jahren vielleicht einen heißen Sommer zur Folge, kann heutzutage aber auf Grund der höheren Ausgangslage aber schon einen unerträglichen Sommer nach sich ziehen.
Solch einen Sommer gab es im Jahre 2003. Vor allem in den südlicheren Teilen Europas vermehrten sich die Todesfälle bei Menschen über 45 in ungewöhnlicher Weise. Nach aktuellen Schätzungen sind mindestens 35.000 Menschen weit vor ihrer Zeit gestorben.
Zu der erhöhten Zahl der Todesfälle gesellen sich noch weitere Folgen, die auf dem direkten Einfluss der Hitze auf den Menschen beruhen. Die Schlafqualität wird durch heißere Nächte entscheidend vermindert. Vor allem in dichtbebauten Großstädten, kann sich die Luft in der Nacht kaum abkühlen. Nach einer Studie der Universität München nimmt die Zahl der Verkehrsunfälle an heißeren Tagen ungeachtet von Einflüssen wie nassen Straßen, Sturm oder Eisglätte um bis zu 18 % im Gegensatz zu kälteren Tagen zu. Ebenso nimmt die Arbeitsproduktivität mit zunehmender Hitze ab, die kognitive Leitungsfähigkeit fällt ab Temperaturen von 27 °C rapide ab. Die Hitze fördert Aggressionen und Gewaltbereitschaft. Rettungskräfte haben auf Grund von Gewalttaten bis zu 75 % höhere Einsatzzahlen an sehr heißen Tagen im Vergleich zu eher milden Tagen. Die Folgen der Hitze wirken sich nicht nur direkt, sondern auch indirekt auf den Menschen aus. Eine erhöhte Waldbrandgefahr geht mit der Hitzewelle einher. Im Jahre 2003 entstanden durch Waldbrände in Portugal Schäden in Höhe 1,6 Milliarden Dollar. Verheerende Waldbrände entstehen auch immer wieder im Südosten der USA und in Australien. Deren Zahl wird durch die zu erwartende Vermehrung der Hitzewellen in Zukunft ansteigen.
Ebenso ist die Nahrungsmittelproduktion betroffen, im Jahre 2003 verursachte der Ernteausfall in Europa einen Schaden in Höhe von 12 Milliarden Dollar.2
Außer Acht lassen darf man jedoch nicht, dass mit der höheren Wahrscheinlichkeit für besonders heiße Sommer auch die Wahrscheinlichkeit für mildere Winter zunehmen wird. Temperaturen von -10 °C und weniger werden in Deutschland immer unwahrscheinlicher. Mildere Winter führen zu einer geringeren Zahl von Kältetoten und wirtschaftliche Schäden werden wahrscheinlich geringer ausfallen. Man kann die Schäden, die durch heißere Sommer entstehen, gegen die Schäden, die durch mildere Winter vermieden werden, aufwiegen. Sicher ist aber, dass sich die Situation verändert und Handlungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen.
Krankheitserreger
Viele tropische Krankheiten können sich durch den generellen Temperaturanstieg besser ausbreiten. Beispielsweise kann die Anopheles-Mücke, ein Malaria-Überträger, erst ab einer Minimaltemperatur von 8-10 °C, der den Malaria-Virus übertragenden Parasit ab einer Temperatur von 16-19 °C überleben. In vielen Teilen Europas und den USA, kam es bis jetzt noch zu keinen Übertragungen. Das Risiko dazu wird mit Ansteigen der Durchschnittstemperatur verdoppelt. Auch das Denguefieber kann klimawandelbedingt in höhere Breitengrade vorstoßen. Hier spielt nicht nur die positive Temperaturveränderung eine Rolle, sondern auch die durch stärkere Verdunstung hervorgerufene höhere Luftfeuchtigkeit.
Mit der Zunahme von Wetterkatastrophen (s.o.) steigt das Risiko für Durchfallerkrankungen. Starkniederschläge führen zur Überschwemmung der Kanalisationssysteme und damit zu durch Verschmutzung des Trinkwassers hervorgerufenen Infektionen. Durch Dürren bedingter Wassermangel ruft oft mangelnde Hygiene sowohl bei der Speisenzubereitung als auch bei der Körperpflege hervor. Dies wiederum kann zur Ausbildung von Infektionen führen.
Größere Hitze beeinflusst auch die Lebensmittelhaltbarkeit. Keime können sich bei wärmerer Lagerung besser ausbreiten, die Gefahr für Salmonellen steigt an.
Klimaflüchtlinge
Viele der oben beschriebenen Probleme lösen noch eine weitere Folge aus. Was passiert mit den Menschen, deren Land immer öfter von Überschwemmungen heimgesucht wird, oder schon dauerhaft unter Wasser steht? Was passiert mit denen, deren Heimat von Dürre heimgesucht wird, in der das Trinkwasser knapp wird und eventuell Kriege um die schwindende Ressource geführt werden? Die Zahl der Regionen, in denen das Leben nicht mehr lebenswert ist, wird stark ansteigen, wenn nicht mit viel Geld und Einsatz geholfen wird. So können riesige Völkerwanderungen ausgelöst werden, die die Menschheit noch nicht erlebt hat.5 Studien gehen von bis zu 150 Millionen neuen Klimaflüchtlingen bis 2050 aus.
Fazit
Wie zu sehen ist, bedeutet der anthropogene Klimawandel einen massiven Eingriff in die Natur und wird weitreichende und sehr komplexe Folgen für die Menschheit haben. Weitblickende und globale Maßnahmen müssen getroffen werden, um eben diese negativen Folgen einzudämmen und eventuelle positive Folgen zu verstärken. Was meinen Sie dazu? Diskutieren Sie mit und hinterlassen Sie einen Kommentar!
Urheber
Dieser Artikel wurde im Rahmen einer Veranstaltung an der Universität Bremen von Steffen Niermann verfasst.
- Greenpeace: Berge ohne Eis: Die Gletscher schmelzen. http://www.greenpeace.de/themen/klima/folgen_der_erwaermung/artikel/berge_ohne_eis_die_gletscher_schmelzen/, Abruf 30.07.2009. [↩] [↩]
- Walker, G., King, D.: Ganz Heiß – Die Herausforderung des Klimawandels. Berlin, Berlin, 2008. [↩] [↩] [↩] [↩] [↩]
- Seilnacht, T.: Treibhauseffekt und Klimaveränderungen. http://www.seilnacht.com/Lexikon/Treibh.htm, Abruf: 30.07.2009. [↩]
- Greenpeace: Wetterextreme: Stürme. http://www.greenpeace.de/themen/klima/folgen_der_erwaermung/artikel/hurrikans_nehmen_an_zerstoerungskraft_zu/. Abruf: 30.07.2009. [↩]
- Rahmstorf, S., Schnellnhuber, H.-J.: Der Klimawandel: Diagnose, Prognose und Therapie. Beck, München, 2007. [↩]
